Kunst und KI: Wie wird Zukunft gestaltet?
Freitag, 20.11.2026 18:00 bis Freitag, 20.11.2026 20:00 Gespräch
Diskussionspanel
Fr., 20.11.26 | 18 Uhr
GEDOK-Haus Rangsdorf | Seebadallee 45 | 15834 Rangsdorf
Eintritt und Anmeldung
Der Eintritt ist frei, eine Spende ist erbeten.
Kostenloses Ticket buchen unter: https://www.yesticket.org/e/Su8eWW1qpf
Ein Gespräch über Kunst und Technologie, Sichtbarkeit und Verantwortung, kritische Fragen und konkrete Möglichkeiten, die digitale Zukunft mitzugestalten.
Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags. Sie verändert, wie wir kommunizieren, Informationen finden und Bilder, Texte oder Musik erzeugen. Auch die Kunst steht vor neuen Möglichkeiten und Herausforderungen: Was geschieht, wenn Maschinen am künstlerischen Prozess beteiligt sind? Wem gehört ein Werk, wenn Mensch und KI zusammenarbeiten? Und wie verändern sich unsere Vorstellungen von Kreativität, Autor*innenschaft und künstlerischer Qualität?
Doch die Frage nach KI ist nicht nur eine Frage der Technik. Die Systeme greifen auf große Mengen menschlicher Sprache, Bilder und kultureller Zeugnisse zurück. Sie übernehmen dabei auch bestehende gesellschaftliche Vorstellungen und Machtverhältnisse. Was wird sichtbar, was bleibt unsichtbar? Wer entscheidet, welche Inhalte verbreitet werden und welche Perspektiven in den Trainingsdaten fehlen? Und wie verändern Überwachung, algorithmische Auswahl und mögliche Zensur die Freiheit künstlerischer Arbeit?
Gemeinsam mit den Künstlerinnen und Expertinnen Ekaterina Orba, Priska Tosch und Verena Voigt diskutieren wir, wie KI künstlerische Prozesse verändert, welche Chancen sie eröffnet und wo kritische Fragen zu stellen sind. Dabei geht es um KI als Werkzeug und künstlerisches Medium, um die Verantwortung für Daten und kulturelles Wissen, um neue Formen der Zusammenarbeit und um die Rolle menschlicher Erfahrung, Urteilskraft und kuratorischer Auswahl.
Als Künstlerinnenverband interessiert uns als GEDOK besonders, wie Frauen und Kunstschaffende die Entwicklung von KI aktiv mitprägen können. Welche Möglichkeiten haben wir, andere Perspektiven einzubringen, bestehende Strukturen zu hinterfragen und digitale Systeme mitzugestalten? Wo liegt unsere tatsächliche Handlungsmacht und was sollten wir nicht an Maschinen delegieren?
Mit Ekaterina Orba, Priska Tosch und Verena Voigt
Moderation: Katrin Stahmleder, Geschäftsführung GEDOK Brandenburg
Ekaterina Orba
Eka Orba ist bildende Künstlerin und lebt in Cottbus. Sie wurde 1972 in Krasnodar in der damaligen Sowjetunion geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann früh und führte über Kinderkunstschulen und eine Berufsfachschule für bildende Kunst zum Architekturstudium in Sankt Petersburg. Nach ihrem Umzug nach Deutschland schloss sie 2003 das Architekturstudium an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus mit dem Diplom ab. Seit 2009 arbeitet sie freischaffend. 2011 gründete sie die Malkunstwerkstatt in Cottbus, in der sie Kinder und Erwachsene in Malerei und Zeichnung unterrichtet. Seit 2024 betreibt sie das Atelierhaus Schlosshof Lieberose. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Brandenburg und in der GEDOK Brandenburg. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst und in der Kunsthalle Lausitz gezeigt.
Im Zentrum der aktuellen Praxis ihrer Arbeit stehen Malerei und Zeichnung. Sie verbindet klassische zeichnerische und malerische Grundlagen mit einer zeitgenössischen abstrakten Bildsprache. Farbe, Linie, freie Form und innere Spannung bestimmen den Bildraum. Organische Bewegungen entstehen in Schichten und Verdichtungen und bleibenzugleich offen für Veränderung. Ausgehend von dieser analogen Praxis erweitert sie ihre Bildsprache durch KIgestützte Prozesse. Dabei entstehen Übergänge zwischen Original, digitaler Variation, Print, Objekt und Video. Die eigene künstlerische Sprache bleibt der Ausgangspunkt für die erweiterte Bilderwelt.
2026 übernahm sie die Leitung des Zukunftsatelier Kunst und KI, einer hybriden Residenz der GEDOK Brandenburg, in der die KI-Anwendungen in der künstlerischen Praxis erprobt und in der Realisierung einen Projektes von Künstlerinnen angewendet werden.
Priska Tosch
Priska Tosch hat visuelle Kommunikation an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim studiert. Seit 1997 arbeitet sie selbständig und projektbezogen in verschiedenen Teams vor Ort sowie im eigenen Büro in Hannover und Celle.
Ihre Arbeit besteht im Wesentlichen darin, Themen und Zusammenhänge zu erfassen und in verständliche, passende Kommunikation in Wort und Bild zu übersetzen – für Wissenschaft, Unternehmen und Institutionen ebenso wie für Identitäts- und Vermittlungsaufgaben.
Sie hatte mehrjährige Stationen als freie Art-Direktorin beim ZEIT-Verlag für das Magazin »ZeitPunkte« in Hamburg, als freie Journalistin, Fotografin und Grafikerin in der Lokalredaktion der »Celleschen Zeitung« sowie als Dozentin für das Fach »Komplexe Printprodukte gestalten und erstellen« im Rahmen der Berufsausbildung zum Mediengestalter und des Studiums zum Bachelor of Arts in Hannover.
Im »Landesprogramm für Demokratie und Menschenrechte« hat sie gerade für den Niedersächsischen Landespräventionsrat das »PraxisPaket Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung« gestaltet, ein Informationspaket, das die Ergebnisse einer Metastudie von Beelmann, Friedrich-Schiller-Universität Jena, für Fachkräfte in der Präventionsarbeit nutzbar macht.
Seit acht Jahren verantwortet sie Konzeption, Gestaltung und Umsetzung der »Binaire«, einem Wissenschaftsmagazin des interdisziplinären Forschungszentrums L3S der Leibniz Universität Hannover, das zu künstlicher Intelligenz, Datenanalyse und digitaler Transformation forscht.
Sie trennt für sich sehr klar zwischen ihrer Auftragsarbeit und ihrer rein intrinsisch motivierten »Kunst ohne Publikum«, bei der es um eine künstlerische Form des Erforschens von Wahrnehmung und Bewusstsein geht.
Zusammen mit der Künstlerin Eka Orba realisierte sie das Projekt »MENSCH!« als Reflexion auf die Frage nach möglichen Verbindungen zwischen realer Welt und künstlicher Intelligenz. Im Sinne einer digitalmenschlichen Ko-Intelligenz ging das Trio der Frage nach, was allen Menschen eigen sei und von anderen Spezies oder KI nicht geteilt werde. Die Ergebnisse wurde in einer Pop-Up-Ausstellung erfahrbar gemacht. Die Fortsetzung »Mensch 2.0« ist in Arbeit.
Verena Voigt
Verena Voigt (M.A.) arbeitet als investigative Kuratorin, Researcher und Writer an den Schnittstellen von zeitgenössischer Kunst, kritischer Digitalität und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Im Zentrum ihrer Arbeit steht weniger die Frage, was sich mit Künstlicher Intelligenz erzeugen lässt, als die Frage, wie digitale Systeme Wahrnehmung, Wissen, Sichtbarkeit und Verhalten strukturieren: Wer sammelt Daten? Wer klassifiziert? Wer erinnert? Wer wählt aus? Wer wird sichtbar – und wer trägt Verantwortung für diese Entscheidungen?
Mit dem Langzeitprojekt UNLEARN AI-AGENCY untersucht sie die Verschiebung von Handlungsmacht unter den Bedingungen Künstlicher Intelligenz. „Unlearning“ bedeutet dabei keine Abkehr von KI, sondern die kritische Überprüfung eingeübter Vorstellungen von Technik, Autor*innenschaft und menschlicher Souveränität.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf dem Wandel von der Archivgesellschaft zur Trainingsgesellschaft. Kulturelle Artefakte – Texte, Bilder, Stimmen und Dokumente – werden heute nicht mehr nur gesammelt, bewahrt und interpretiert. Sie werden zugleich zu Daten, aus denen maschinelle Systeme Muster, Klassifikationen und Wahrscheinlichkeiten ableiten. Damit verändert sich auch die 2 gesellschaftliche Funktion des kulturellen Gedächtnisses. Denn : Was geschieht, wenn das, was wir gesammelt haben, um uns zu erinnern, zugleich gesammelt wird, um Maschinen zu trainieren?
Verena Voigt gründete 2013 die GFZK e.V. - Gesellschaft für zeitgenössische Konzepte, deren Vorsitzende und inhaltliche Leiterin sie seitdem ist. Der Kunstverein entwickelt Ausstellungen, Forschungs-, Diskurs- und Kooperationsprojekte an den Schnittstellen von zeitgenössischer Kunst, gesellschaftlicher Transformation und kritischer Digitalität. GFZK e.V. versteht kuratorische Praxis dabei auch als Forschung: Kunst kann Systeme nicht nur darstellen, sondern untersuchen, irritieren und ihre häufig unsichtbaren Bedingungen erfahrbar machen.
Aus dem 2023 geförderten Projekt PLATFORM GLITCH AESTHETICS entwickelte sich 2025 GIANT GLITCHES. . Ein gegenwärtiger Schwerpunkt ist GLITCH ART IN THE AGE OF PERFECT CENSORSHIP.
Die Veranstaltung wird gefördert durch den Landkreis Teltow Fläming und die Gemeinde Rangsdorf. Die GEDOK Brandenburg wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
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